Jenny (22) aus Potsdam

Mit meiner bunt gemischten Reisetruppe standen nun zwei Wochen geballtes Abenteuer und Sightseeing an.

Los ging es in Hawke’s Bay, einer Region an der Ostküste des Landes, die für ihre guten Weine und das hervorragende Essen bekannt ist. Beides haben wir natürlich auch ausgiebig genossen. Mein ganz persönliches Reisehighlight durfe ich hier gleich am Anfang erleben. Wir haben einen traditionellen Maori-Versammlungsplatz besucht. Hier begrüßte uns eine große Maori-Familie mit Tanz und Gesang und hat uns auf so lebendige, besonders aber auf eine so liebevolle und offene Art und Weise in ihre Kultur und Lebensweise eingeführt, dass bei dem einen oder anderen sogar Tränen geflossen sind. „Unsere Herzen grüßen Eure Herzen, unser Land ist Euer Land“ – im Nachhinein kann man es schlecht beschreiben, man muss es einfach erlebt und gesehen haben. Die Atmosphäre war ganz besonders und so standen wir ehrfürchtig vor den Maori, mit denen wir Steine gesegnet haben, sie haben uns den traditionellen Haka-Tanz vorgeführt, für uns Musik gemacht, uns gezeigt, wie man Taschen aus Flachs herstellt, sie haben für uns traditionelles Essen zubereitet, uns die heilenden Wirkungen ihrer Pflanzen nahegebracht und uns erzählt, was ihnen selbst im Leben wichtig ist und an was sie glauben. All diese Eindrücke haben tiefe Spuren bei uns allen hinterlassen und uns zum Nachdenken angeregt: Wie glücklich können wir uns schätzen, ein solch herrliches Fleckchen Erde zu entdecken und solch wunderbare Menschen kennenzulernen. Ab diesem Zeitpunkt fühlten wir uns wirklich in Neuseeland angekommen und waren einfach glücklich das alles erleben zu dürfen.

Nach vielen weiteren Zwischenstationen landeten wir schließlich in Wellington, an der Südspitze der Nordinsel. Wellington ist ein süßes aber recht windiges Städtchen, daher wird es von den Neuseeländern auch „Windy Wellington“ genannt. Hier muss man natürlich einmal mit dem Cable Car bis hoch zu den Botanischen Gärten gefahren sein und den Blick über die Stadt und den Hafen genossen haben. Erwähnenswert ist auch die hippe Cuba Street, auf der viele kleine und ausgefallene Geschäfte sind. Besonders abends ist die Einkaufsstraße einen Besuch wert, denn dann kann man besonders gut Leute beobachten und in das quirlige Leben der „Wellingtonians“ eintauchen. Auch ein Abstecher ins Museum Te Papa lohnt sich wirklich, denn hier wird die neuseeländische Geschichte wieder lebendig und sehr schön anschaulich dargestellt. Unvergesslich ist die Nachtwanderung in „Zealandia“, eine Art Wildlife-Schutzreservat mitten in der Stadt. Mit dicken Jacken, festem Schuhwerk und hellen Taschenlampen sind wir in Kleingruppen und mit jeweils zwei erfahrenen Wildlife-Guides auf die Pirsch gegangen, um den nachtaktiven Kiwi, das Nationaltier Neuseelands, zu beobachten. Da man leider nicht bei jeder Wanderung das Glück hat einen Kiwi in freier Wildbahn zu sehen, hatten wir sehr viel Glück und konnten sogar zwei Tiere beobachten. Trotz ihres plump anmutenden Körpers waren sie doch erstaunlich schnell und äußerst emsig bei der Nahrungssuche zugange.

Nach dem Kiwi-Erlebnis sind wir mit der Fähre zur Südinsel nach Picton gefahren. Die Fährfahrt durch die Marlborough Sounds war beeindruckend und wir hatten glücklicherweise wunderschönes Wetter, wie eigentlich während des gesamten Aufenthalts. Wir sind einen Teil des Queen Charlotte Track entlang gewandert und waren beeindruckt, wie hoch der neuseeländische Farn wächst. Was man in Deutschland im Wald nur als kniehohes Gewächs antrifft, ist am anderen Ende der Welt mehrere Meter Höhe.

Von Picton aus sind wir, wieder mit mehreren Zwischenstopps (u.a. in Blenheim und Kaikoura, wo wir jeweils wieder in den Genuss guten Weines und von Seelöwen gekommen sind) zu meinem letzten Reisehighlight gelangt: Christchurch. Wie Napier, eine unserer ersten Reisestationen, hat auch Christchurch schwere Erdbeben erleben müssen. Das verheerendste im Februar 2011. Auf die Auswirkungen des Erdbebens waren wir vorbereitet, aber dennoch haben wir nicht mit (noch immer) so viel Zerstörung gerechnet. Überall konnte man noch immer die Auswirkungen des Erdbebens sehen: Risse in Mauern und Gehwegen, teilweise abgedeckte Dächer, zerstörte Fenster, eingestürzte und einsturzgefährdete Gebäude, gesperrte Straßen. Dennoch versprühten die Menschen einen wirklich beneidenswerten und unerschütterlichen Optimismus. In der Innenstadt, ganz in der Nähe zur völlig zerstörten Stadt, lassen sie „Tin Town“ entstehen. Eine Ansammlung künstlerisch angestrichener Schiffscontainer, welche nun als Gebäude für Geschäfte, Restaurants und Banken dienen. „The Christchurch I love is still here“ und „Re:Start“ – sind nun die Mottos und geben den Menschen neue Kraft. Wie schon die Maori-Zeremonie hat uns auch diese Reiseetappe unglaublich berührt und die Augen geöffnet. Gerne wären wir länger geblieben, aber dann hieß es für viele von uns Abschied nehmen. Wir haben beschlossen in Kontakt zu bleiben, was auch heute noch der Fall ist. Nach einem kurzen Abstecher in die Region Bay of Islands und nochmal nach Auckland ging das Abenteuer leider auch für mich zu Ende. Ich wäre gerne länger geblieben aber ich bin mir sicher, dass es noch das ein oder andere Wiedersehen mit Neuseeland geben wird.